26.8. - Interview mit MdB Hans-Josef Fell, Bündnis 90/Die Grünen

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Beim Biogas Tour-Termin in Bad Königshofen hatten Interessierte die Möglichkeit mit dem Fachverband Biogas e.V. und MdB Herrn Hans-Josef Fell, Sprecher für Energiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Biogas zu diskutieren. Wir haben uns Herrn Fell persönlich zur Seite genommen und nach seiner Meinung zum Thema Biogas, Energiewende und Biogas Tour gefragt.

Herr Fell, das Motto der Biogas Tour des Fachverband Biogas lautet „Energiewende – Biogas kann’s!“ Was kann Biogas zur Energiewende beitragen?

Hans-Josef Fell: Biogas ist eine wesentliche Ergänzung zu Windkraft und zur Solarenergie, denn Biogas ist speicherbar. Manche fragen sich ja, was macht man mit der Stromerzeugung, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint - dann genau kann Biogas einspringen. Biogas ist aber viel mehr als Stromerzeugung, denn bei der Stromerzeugung fällt auch Wärme ab. Da Biogasanlagen anders als große zentrale Kohle- oder Atomkraftwerke dezentral gebaut werden, können wir die Wärme auch gut vor Ort nutzen, z.B. in Häusern für die Raumwärme oder in Industriebetrieben. Biogas ist somit die ideale Ergänzung, die wir in einem Mix aus Erneuerbaren Energien brauchen, um einen hundertprozentige Strom- und Wärmeversorgung mit Erneuerbaren zu erreichen.

Viele Menschen wissen nicht genau Bescheid über die großen Vorteile von Biogas. Deshalb ist die Biogas Tour sehr wichtig.

Wo sehen sie Chancen und Möglichkeiten im Ausbau der Biogasnutzung in Deutschland?

Fell: Wir sollten vermehrt die Reststoffe in den Blick nehmen. Es gibt viele Reststoffe, die noch nicht in Biogasanlagen genutzt werden. Beispielsweise werden nur 20 Prozent der Gülle in Biogasanlagen verwertet. Die vergorene Gülle, die durch eine Biogasanlage geht, hat aber viele Vorteile: sie verhindert die Geruchsbelästigung und schützt das Trinkwasser.

Über die Biotonne kann das Potenzial weiter gesteigert werden. Wenn wir neue Pflanzenmaterialen in den Blick nehmen, beispielsweise Blühpflanzen und Grünlandbewirtschaftung, können wir mehr Substrat anbauen, ohne den Lebensmitteln Konkurrenz zu machen.

Allerdings haben wir in Deutschland nicht die Flächen, um unseren jetzigen Erdgasbedarf vollständig mit Biogas zu ersetzen. Wir müssen deswegen über unsere Grenzen schauen und die vielen zum Teil immer noch brach liegenden osteuropäischen Flächen beachten. Dort kann Biogas-Substrat ökologisch sauber angebaut werden. So könnten wir auf europäischer Ebene auch den gesamten Erdgasbedarf durch Biogas ersetzen.

Und warum ist ausgerechnet Biogas ihrer Meinung nach wichtig?

Fell: Biogas hat viele Vorteile! Man kann natürlich auch mit anderer Biomasse Energie erzeugen, zum Beispiel mit Holz- oder Pflanzenölverbrennung. Biogas macht aber vor allem viel Sinn, weil es die Abfälle und eine Vielfalt von Pflanzenmaterialen nutzen kann. Ganz neu ist zudem die Möglichkeit, Biokohle aus Pflanzenmaterialen zu erzeugen. Hier gibt es die schöne Ergänzung, dass man das Gärsubstrat aus der Biogasanlage in die Biokohleerzeugung geben kann. Damit wird der energetische Nutzen nochmals gesteigert. 

Wo ist Handlungsbedarf in Hinblick auf die Energiewende?

Fell: Es ist ganz wichtig, dass wir einen Politikwechsel bekommen, damit die Unterstützung der Erneuerbaren Energie im Kontext der Energiewende weitergehen kann. Die Energiewende ist zwingend erforderlich, um Klimaschutz und Versorgungssicherheit – weg vom Erdöl – zu leisten. In Einzelbereichen, auch beim Biogas, gibt es allerdings auch Reformbedarf. Wir müssen im EEG Anreize schaffen, dass die Landwirte ökonomisch von den Maismonokulturen wegkommen und Ölpflanzenmischungen – also neue Pflanzenkulturen – auch anwenden können. Wir müssen dafür sorgen, dass wir Biogas als Ausgleichenergie für Solar- und Windstrom anwenden. Aktuell findet das leider noch zu wenig statt. Hier gibt es Aufgaben in der Politik, neu zu justieren und zu ordnen. Das gelingt nur mit einer Politik, die hundert Prozent Erneuerbare Energien will und eben nicht den Bestandschutz von Kohlekraftwerken organisiert.